ProfotoA1vsCanonSpeedlite

Profoto A1 vs. Canon Speedlite 600EX-RT – Welcher ist der bessere Blitz?

Ich besitze drei Canon Speedlite 600EX-RT und mittlerweile zwei Profoto A1.

Da ich seither viel Erfahrung mit dem Profoto A1 gesammelt habe, vergleiche ihn hier mit dem Canon Speedlite 600EX-RT.

Welcher Blitz ist der bessere?
Dies erfahren Sie in diesem Artikel.

Mittlerweile hat Canon mit dem Canon Speedlite 600EX II-RT einen Nachfolger des Canon Speedlite 600EX-RT auf den Markt gebracht, der sich aber nur geringfügig davon unterscheidet.

Die meisten Informationen sind somit genauso für diesen gültig. Ich weise bei Unterschieden darauf hin. Mit der Version II habe ich nicht gearbeitet, habe aber sorgfältig darüber recherchiert.

Was ist dabei?

Der Lieferumfang

Der Lieferumfang wirkt auf den ersten Blick recht ähnlich und vergleichbar. Aber beim genauen Hinsehen gibt es Unterschiede in Bauweise und Qualität einzelner Komponenten, auf die ich später näher eingehe.

Mitgeliefert werden:

  • Profoto A1
  • Ständer
  • Wide Lens
  • Bounce Card mit Beutel
  • Durchdachte Tasche
  • Gedruckte Anleitung
  • Dome Diffuser
  • Akku
  • Ladegerät mit Kabel
  • USB-Kabel für Firmware Updates

Zur Wide Lens und Bounce Card muss man sagen, dass diese von der Bauart bei Profoto eigentlich nicht mit den kleinen in den Blitz integrierten Varianten von Canon vergleichbar sind. Ich habe sie hier aber trotzdem mal gleichgestellt. Später gehe ich auf die Unterschiede noch genauer ein.

Mitgeliefert werden:

  • Canon Speedlite 600EX-RT
  • Ständer
  • Weitwinkelstreuscheibe im Blitz
  • Catchlight-Scheibe im Blitz
  • Tasche
  • Gedruckte Anleitung
  • Zwei Korrektur-Gels mit Halter und Beutel
Welche Unterschiede gibt es am Blitzgerät?

Das Blitzgerät

Der Profoto A1 ist deutlich höher als das Canon Speedlite, was ihn weiter vom Objektiv entfernt, was besser gegen rote Augen beim direkten Blitzen ist. Außerdem beugt es dem Schattenwurf bei größeren Objektiven vor.

Das Gehäuse des Canon Speedlite ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Der Profoto A1 darf leider nur in trockener Umhebung einsetzt werden.

Wie arbeitet man mit dem Blitz?

Bedienung

Die Bedienung des Profoto A1 ist sehr einfach und klar gestaltet. Dagegen wirkt das Canon Speedlite überfrachtet und komplex mit seinen vielen Tasten und dem Display mit seinen vielen kleinen Angaben.

Ich verwende das Canon Speedlite seid Jahren und kann es mittlerweile auch sehr schnell und gezielt bedienen. Aber es ist schon beeindruckend, wie frühzeitig ich mit dem kompletten Leistungsspektrum des Profoto A1 zurechtkam, ohne auch nur ein einziges Mal seine Anleitung geschaut zu haben.

Ich will hier nicht auf jeden Unterschied in der Bedienung eingehen.
Aber man kann ganz klar erkennen, dass Profoto es sich zu Herzen genommen hat, die Bedienung aufs Wesentliche zu reduzieren.

Sie haben damit die Bedienung wirklich sehr einfach, schnell und intuitiv gemacht. Jede Funktion, die man häufig benötigt, ist direkt mit einer echten Taste ausgestattet. Alles andere über ein einfaches Menü erreichbar.

Selbstverständlich lehnt sich die Bedienung an die anderen Blitze von Profoto wie dem D2 oder dem B1X an.

Während die Bedienung des Canon Speedlites sehr komplex ist, so dass man immer wieder die Anleitung zu Rate ziehen muss. Es gibt viele Modi, in denen der Blitz arbeiten kann, die mit verschiedenen Tasten durch mehrfaches Drücken durchgeschaltet werden können. Es werden Symbole im Display eingeblendet, die sich nur in kleinen Details unterschieden und einem erst einmal nichts sagen. Es gibt unzählige Individualfunktionen, mit denen der Blitz angepasst werden kann. Die Anleitung ist leider nicht weniger komplex.

Zoomreflektor

Sowohl der Profoto A1 als auch das Canon Speedlite haben einen Zoomreflektor. Primär dient der Zoomreflektor dazu, die Blitzenergie effizient einzusetzen. Um Bereiche die außerhalb des Bildes liegen, nicht zu beleuchten und so den Akku zu sparen oder um die Reichweite zu erhöhen.

Beide Blitze haben die Möglichkeit den Leuchtwinkel automatisch in Abhängigkeit zur aktuellen Brennweite anzupassen. Dies ist bei Verwendung als Aufsteckblitz die häufigste Einstellung. Nutzt man ein Zoomobjektiv, passt sich der Reflektor bei jedem Zoomen an.

Der Profoto A1 kann von 32-105mm zoomen, das Canon Speedlite sogar von 20-200mm.

Es ist aber auch möglich den Leuchtwinkel manuell einzustellen. Insbesondere wenn die Blitze Off Camera eingesetzt werden, ist das sinnvoll.

Während man bei Canon dazu zuerst die Taste  „Zoom“ drücken und danach erst am Rad drehen muss, hat sich Profoto was besonderes einfallen lassen.

Es gibt ein eigenes Drehrad am Rand des Blitzkopfes, über das der Leuchtwinkel direkt eingestellt werden kann. 

Eine kleine Anzeige auf dem Display zeigt leicht verständlich symbolisch die Ausleuchtung an.

Dies ist ein gutes Beispiel, wie Profoto den A1 von Grund auf auch für den Einsatz als Off Camera-Blitz ausgelegt hat.

Dass Profoto darauf Wert legt, zieht leicht Parallelen zu den großen Blitzköpfen, bei denen man schon immer Reflektoren vor- und zurückschieben konnte, um das Licht zu zoomen.

Die Zoomeinstellungen tele und weit

Blitzkopf

Die leichte Dreh- und Schwenkbarkeit des Blitzkopfes ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Funktionen eines Aufsteckblitzes.

Ich bin vor jedem Bild auf einer Veranstaltung darauf aus, das Licht über eine Wand zu reflektieren. Das erfordert zum Teil extrem schnelles Drehen und Schwenken des Blitzkopfes. Da zählen Millisekunden ob man eine Aufnahme machen kann oder nicht.

Deshalb begrüße ich es, dass der Profoto A1 einfach frei bewegt werden kann und als kleine Unterstützung an gewissen Punkten einrastet.

Beim Canon Speedlite muss extra seitlich eine Entsperrentaste gedrückt werden bevor ein Drehen und Schwenken überhaupt möglich ist, was einem entscheidende Zeit kosten kann.

Beim Canon Speedlite muss extra um den Blitzkopf zu Drehen oder zu Schwenken ein Entsperrenknopf gedrückt werden
Fokushilfe bei Dunkelheit

Autofokushilfslicht

Das Autofokushilfslicht vom Profoto A1 basiert nicht wie üblich auf Infrarotlicht, sondern auf Laserlicht. Der Laser wird auf eine Art gestreut, dass es für den fotografierten Menschen ungefährlich ist.

Das ist eine geniale Idee von Profoto mit dem Laserlicht, denn das Autofokushilfslicht funktioniert dadurch auch bei Mirrorless-Kameras. Wenn die Kamera es den aktivieren würde…

Bei Canon ist es ganz klassisch ein infrarotbasiertes Hilfslicht, wie es das schon seid Jahren in fast jedem Aufsteckblitz gibt.

Das Problem mit dem Autofokushilfslicht

Der Sensor einer Digitalkamera besitzt meistens einen Infrarotsperrfilter. Das ist bei Spiegelreflexkameras wie auch bei modernen Mirrorless-Kameras der Fall.

Herkömmliche Autofokushilfslichter funktionieren mit Infrarotlicht. Man sieht als Mensch durch den Sucher zwar auch das projizierte Lichtgitter in rot, allerdings ist der größte Teil des Lichts, der der Kamera beim Fokussieren hilft, Infrarotlicht, was für den Menschen unsichtbar ist.

Eine Spiegelreflexkamera kann damit umgehen, denn sie hat einen eigenen Phasen Detekt-Autofokussensor. Das Licht wird durch einen halbdurchlässigen Spiegel zu diesem Sensor geleitet, der das Infrarotlicht sehen kann und dementsprechend vom Autofokushilfslicht unterstützt wird.

Bei einer Mirrorless- oder einer Spiegelreflexkamera im Liveview-Modus, ist der Autofokussensor und der Bildsensor dasselbe. Da dieser aber wie gesagt immun für das infrarotbasierte Autofokushilfslicht ist, kann die Kamera es nicht sehen.

Da das Autofokushilfslicht vermutlich der meisten kameraherstellereigenen Aufsteckblitze mit Infrarotlicht funktionieren, hat jeder Hersteller von Mirrorless-Kameras, soweit ich es mitbekommen habe, die Aktivierung des Autofokushilfslichts einfach fest deaktiviert.

Die aktuelle Lösung der meisten Hersteller von Mirrorless-Kameras ist, ein eigenes Autofokushilfslicht im Body zu verbauen. Es handelt sich um eine ganz normale LED. Der Nachteil ist aber, dass dieses Licht sein Motiv stark blendet oder dass größere Objektive verhindern, dass sein Ziel überhaupt nicht beleuchtet wird. Auch die Reichweite ist nicht sonderlich weit.

Wenn die Kamera mit dem Autofokushilfslicht nicht fokussieren kann, schaltet sie auf Vorblitze um. Um den Fokus zu finden, blitzt sie damit das Ziel an. Mit den entsprechenden Nachteilen.

Das Autofokushilfslicht läßt sich beim Profoto A1 dauerhaft auf ON schalten

Eine Übergangslösung

Das Autofokushilfslicht vom Profoto A1 steht normalerweise auf AUTO und wartet deshalb auf ein Signal von der Kamera.

Im Unterschied zu anderen Aufsteckblitzen besteht aber auch die Möglichkeit, es dauerhaft anzuschalten. Ich kann nicht sagen wie stark das auf den Akku geht, aber es ist durchaus vorstellbar, je nach Ort als Übergangslösung mit immer angeschaltetem Autofokushilfslicht zu fotografieren.
Zudem hat es auch was Krimiartiges, so in einem dunklen Raum herumzulaufen.

Wohin strahlt das Licht? Wie fallen die Schatten?

Einstelllicht

Profoto hat den A1 mit einem Einstelllicht ausgestattet, wie es auch die „großen“ Profoto-Blitzköpfe haben.

Das Einstelllicht ist hauptsächlich dafür gedacht, wenn der A1 als Off-Camera-Blitz eingesetzt wird. Es ist dabei sehr nützlich beim Ausrichten des Blitzes, zur Überprüfung des Schattenwurfs und zur Hilfe beim Autofokusieren an relativ dunklen Sets.

Das Einstelllicht passt sich sogar der Zoomeinstellung des Blitzreflektors an und wird auch durch den aufgesetzten Lichtformer beeinflusst.

Bauweise unterscheidet sich von den großen Blitzköpfen

Aus vermutlich technischen Gründen befindet sich das Einstelllicht nicht in der Mitte hinter der Scheibe wo die Blitzröhre sitzt, wie es beispielsweise beim B1X der Fall ist.
Es befinden sich am unteren Rand des Blitzkopfes zwei LEDs mit unterschiedlich geformten Reflektoren.

Die Reflektoren sind in einem schmalen und einem weiten Leuchtwinkel gebaut und die LEDs werden je nach Einstellung des Zoomreflektors einzelnen oder in Kombination aktiviert.

 

Dadurch ergeben sich ein paar kleine Unterschiede zwischen Einstelllicht und Blitzlicht

Schattenposition

Bei kurzen Abständen von ca. 50cm gibt es einen Versatz in der Schattenposition zwischen Einstell- und Blitzlicht, weil sich die unterschiedliche Position der Lichtquelle bemerkbar macht. Ab ca. 2m ist der Unterschied nicht mehr groß.

Schattenränder

Die Schattenräder unterscheiden sich stark zwischen Einstelllicht und Blitz. Das liegt an der stark unterschiedlichen Größe der Lichtquelle. Das Schatten des Einstelllichts haben einen deutlich härteren Rand als die des Blitzlichts. Der Unterschied ist aber ab ca. 2m nicht mehr so stark.

Lichtmuster

Das Lichtmuster des Einstelllichts hat ein helles Zentrum und ist dann abfallend, während das Bildlicht sehr harmonisch soft von innen nach außen abfällt.

Dies muss man beim Ausrichten des Blitzes beachten, wenn man speziell mit dem Lichtabfall arbeiten möchte.

Einstelllicht bei Canon

Canon bietet kein dediziertes Dauerlicht an seinem Blitz. 

Der Blitz kann einen einsekündigen Modellierungsblitz aussenden. Die Blitzröhre wird dabei so schnell pulsiert, so dass es wie Dauerlicht aussieht. Der Blitz wird dadurch aber sehr stark belastet, so dass man es nur wenige Male einschalten darf.
Ausserdem ist es für sein Model unerträglich blendend.

Können andere Blitze gesteuert werden?

Zusammenspiel mit andereren Blitzen

Wer bereits andere Profoto-Blitze mit AirTTL hat, für den schmiegt sich der Profoto A1 perfekt in seine Welt ein.

Mit einem A1 auf der Kamera kann man von Haus aus nahezu alle anderen Profoto-Blitze per AirTTL auslösen und steuern. Andere A1, B1X, B10, B2, D2 oder sogar Pro-10s.

Genauso kann man mit der Profoto AirTTL Remote auch den A1 separat von der Kamera auslösen und steuern. 
Jedes Detail ist steuerbar wie bei den „Großen“. Sogar das Einstelllicht des A1 läßt sich aktivieren.

Für jedes Canon Speedlite mit RT-Kürzel im Namen gibt es natürlich auch einen Remote-Auslöser, der mehrere Blitze steuern und auslösen kann. Auch ein Canon Speedlite als Aufsteckblitz kann Auslöser sein.

Allerdings ist das eine ein Profoto-eigenes und das andere ein Canon-eigenes Übertragungssystem, was zueinander inkompatibel ist.

Deshalb ist man gut beraten, nur auf eines der beiden Funksysteme zu setzen um erstens flexibel in der Kombination zu sein und um Kosten zu sparen. Sonst benötigt man vieles wie Remote-Auslöser oder weitere Blitze doppelt.

Eine andere Möglichkeit der Kombination stellt PocketWizard da, was allerdings weitere Kosten entstehen läßt und nicht die gleichen Fähigkeiten wie die herstellereigenen Funksteuerungen bietet.

Welche Energiequelle nutzt der Blitz?

Stromversorgung

Ein großer Unterschied zwischen den beiden Blitzen ist, dass der Profoto A1 eigene Li-Ion-Akkus und das Canon Speedlite, wie die meisten Aufsteckblitze, vier AA-Akkus benötigt.

Zunächst klingt es nachteilig, dass man für den A1 einen eigenen Satz an Akkus anschaffen muss. Denn AA-Akkus hat man schließlich oft schon zuhauf.

Aber mittlerweile bin ich anderer Meinung.

Einer der Vorteile ist natürlich, dass ein eigens für ein Gerät entwickelter Akku in der Regel eine deutlich bessere und passendere Leistung als Standardakkus bietet.

Weiter wird man es bereits beim ersten Akkuwechsel zu schätzen wissen, dass man lediglich einen Akku abnehmen und einen Neuen aufsetzen muss.
Anstatt die Türe zu öffnen, vier Akkus herauszunehmen, vier einzelne Neue in der richtigen Polarität hineinzustecken und die Türe wieder zu schließen. Natürlich nicht mit eingerechnet wie oft einem dabei einzelne Akkus herunterfallen. Hat man einmal den Profoto A1 verwendet, kommt einem das Wechseln von einzelnen Akkus extrem umständlich vor.

Profoto A1-Akkus sind teuer?

Ein Akku für den Profoto A1 kostet im Handel ca. 110€ und ein Satz gute AA-Akkus, wie die Eneloop Pros, kosten ca. 14€. Das klingt preislich nach einem großen Unterschied.

Ich bin kein Akku/Batterieexperte, aber man darf natürlich nicht nur plump den Preis für einen Akku/Satz Akkus vergleichen, sondern die gebotene Leistung.

Ein A1-Akku hält vier Mal so lange wie ein Satz Eneloop Pros. Zusätzlich hat ein Li-Ion-Akku eine andere Energieabgabe wodurch der Profoto A1 eine extrem schnelle Wiederaufladezeit von 1,2s nach einem vollen Blitz hat. Canon gibt bei Alkali-Batterien 5,5s an.

Ich denke, Profotos Preis ist gerechtfertigt.

Canon bietet mit dem CP-E4N ein externes Akkupack an, in das sechs AA-Akkus eingelegt werden können. Damit kann man die Aufladezeit noch etwas reduzieren und die Blitzanzahl mit einer Akkuladung erhöhen.

Mit dem Nachteil noch ein weiteres Gerät, das per Kabel an den Blitz angeschossen wird, herumtragen zu müssen.

Wie kann der Blitz Off-Camera eingesetzt werden?

Blitzständer

Der Blitzständer von Profoto sieht auf den ersten Blick sehr ähnlich zu dem Blitzständer von Canon aus. Beide sind aus Kunststoff.

Allerdings sieht man nach einem Blick auf die Unterseite einen wichtigen Qualitätsunterschied.

Während beim Blitzständer von Canon das Gewinde für das Lichtstativ auch aus Kunststoff ist, hat Profoto hier ein langlebiges Messinggewinde verbaut.

Weiter ist die Standfläche des Profoto A1-Blitzständers relativ zum Blitz deutlich größer und durch die ausbalanciertere Konstruktion bietet dieser einen sicheren Stand.

Wie wird der Blitz transportiert?

Tasche

Profoto und Canon haben beide eine Tasche für ihren Blitz entwickelt.

Hat man sie in der Hand, fühlt sich die Profoto-Tasche hochwertiger, formstabiler und stärker gepolstert an.

Bei Profoto passt durch das zusätzliche Fach im Deckel auch die Wide Lens und der Dome Diffuser hinein. Wahlweise kann das Fach aber auch für einen Ersatzakku oder das Profoto Gel Kit genutzt werden.

In beide Taschen passt auch der Blitzständer hinein.

Der Schließmechanismus ist bei Canon ein Klettverschluss, während sich Profoto für einen Reißverschluss entschieden hat, der ohne Lücke schließt und sich hochwertiger anfühlt.

Leider passt bei der Profoto- als auch bei der Canon-Tasche nicht der komplette Lieferumfang hinein. Bei Profoto muss die Bounce Card und bei Canon die Farbfilter in einem separaten Säckchen mitgeführt werden.

Profoto liefert auch einen Schultergurt mit, der an der Tasche befestigt werden kann. 
Canon bietet so etwas nicht an und hat auch nur auf einer Seite eine Öse verbaut, was immer zur einer „baumelnden“ Befestigung führt.

Wie können Lichtformer angebracht werden?

Befestigung von Lichtformern

Eine der besten Eigenschaften des Profoto A1 sind die Lichtformer.

Profoto hat seine Expertise aus den Studioblitzen und dessen Lichtformern auf den Aufsteckblitz übertragen.

Sie haben schon immer eine 10cm Durchmesser Universalbefestigung an Studioblitzen worüber sich fast alle Lichtformer befestigen lassen. Solch eine Universalbefestigung hat Profoto auch für seinen A1 geschaffen.

Für den A1 ist alles an Lichtformern, was man sich wünschen kann, von Profoto selbst in Profoto-Qualität erhältlich.

Befestigung

Einmalig ist die Art, wie Lichtformer am Blitzkopf befestigt werden. Jeder Lichtformer hat an seinem Ring starke Magneten, über die er fest am Blitzkopf befestigt wird. Man braucht beim Anbringen nur in die Nähe des Blitzkopfes zu kommen und der Lichtformer wird an seine Position gezogen.

Canon dagegen bietet selbst für seinem Blitz lediglich eine ausklappbare Weitwinkelstreuscheibe, eine kleine ausfahrbare Catchlight-Scheibe und zwei Farbfilter an.

Interessant ist, dass bei Canon der Blitz selbst ein Wissen über die aufgesetzten Lichtformer hat. Das ist zwar aus meiner Sicht nicht immer nötig, aber es gibt Situationen, da kann der Blitz sein Verhalten ändern.

Bei allen weiteren Lichtformern muss man auf Drittanbieter zurückgreifen. Da Canon selbst an seinem Blitz keine stabile Befestigung für andere Lichtformer vorsieht, sind Drittanbieter gezwungen, eigene Befestigungen zu erfinden. Zum Beispiel mit Klettband.
Durch unterschiedliche Maße, Bauformen und Befestigungen ist natürlich an eine Kombination mit anderen Lichtformern garnicht erst zu denken.

Der Profoto A1 mit der Bounce Card, einem von vielen zur Verfügung stehenden Lichtformern
Der Canon Speedlite 600EX-RT mit der Weitwinkelstreuscheibe und der Catchlight-Scheibe
Welche Möglichkeiten der Lichtveränderung gibt es?

Die einzelnen Lichtformer

Wide Lens/Weitwinkelstreuscheibe

Der Zoomreflektor, den beide Blitze haben, hat natürlich ab einer bestimmten Brennweite im Weitwinkelbereich seine Grenzen. In diesem Fall muss die Wide Lens bei Profoto oder die Weitwinkelstreuscheibe bei Canon verwendet werden.

Der Lichtformer befindet sich bei Profoto genauso im Lieferumfang wie auch bei Canon.

Bei Profoto ist die Wide Lens ein Lichtformer, der separat mitgeführt werden muss. Er macht aber den solideren Eindruck der beiden.

Ein Vorteil bei Profoto ist, dass bei Anbringung der Wide Lens die Zoomfunktion des Blitzes komplett erhalten bleibt. Bei Canon ist der Zoom mit der Weitwinkelstreuscheibe deaktiviert und man blitzt nur noch maximal weit mit 14mm, was auf Kosten der Energie geht. 

Bei Profoto ist das Geniale, dass man den Zoombereich vom Standardbereich von 32-105mm einfach nur weiter nach unten auf 14-24mm in den Weitwinkelbereich versetzt.

Bei Canon ist praktisch, dass die Weitwinkelstreuscheibe direkt im Blitz verbaut ist. Sie ist somit immer griffbereit und muss bei Bedarf nur herausgezogen werden. Schade dabei ist bei dem Mechanismus, dass die Catchlight-Scheibe auch immer mit herausgezogen wird.

Der Profoto A1 mit Wide Lens
Die Wide Lens kann in der praktischen Profoto A1 Tasche verstaut werden
Das Canon Speedlite mit Weitwinkelstreuscheibe

Die Zoomeinstellungen vom Profoto A1 von schmal bis weit und mit der Wide Lens schmal bis weit. 

Bounce Card/Catchlight-Scheibe

Die Profoto Bounce Card oder Canon Catchlight-Scheibe, wird verwendet, wenn man das Licht über die Decke reflektieren will, aber doch noch einen kleinen Anteil direktes Fülllicht auf sein Objekt werfen möchte. Für Glanzlichter in den Augen oder auf spiegelnden Gegenständen.

Bei Profoto ist die Bounce Card im Lieferumfang enthalten und deutlich größer, was zu größeren Glanzlichtern und weicherem Fülllicht führt. 

Sie ist ein Lichtformer, der bei Nichtbenutzung separat verstaut werden muss.
Da er recht groß ist, wird er in der Regel demontiert transportiert. Dazu kann man den Magnetring von der Bounce Card trennen und in einem praktischen Säckchen verstauen.

Die Möglichkeit die Wide Lens oder auch den später beschriebenen Dome Diffuser mit der Bounce Card zu kombinieren versteht sich bei Profoto von selbst.

Die Bounce Card wird demontiert im praktischen Säckchen transportiert

Was bei der Bounce Card von Profoto aber genial ist, ist die Möglichkeit, sie als Flag einzusetzen, indem man sie andersherum montiert. Also mit der schwarzen Seite zum Blitz. Damit kann man verhindern, dass Licht an Stellen kommt wo es nicht hin soll.

Bei Canon ist die Catchlight-Scheibe wieder praktischerweise im Blitz integriert. Schade ist auch hier, dass sie nur gemeinsam mit der Weitwinkelstreuscheibe herausgezogen werden kann. Canon ist hier den Weg gegangen erst einmal beide herauszuziehen und dann die Schreibe, die man nicht braucht, wieder zurückzuschieben. Die Catchlight-Scheibe kann alleine als auch zusammen mit der Weitwinkelstreuscheibe betrieben werden. Baubedingt ist die Catchlight-Scheibe leider nicht sonderlich groß.

Dome Diffuser

In der praktischen Tasche wird Blitz, Wide Lens und Dome Diffuser verstaut.

Wo das Licht ohne den Profoto Dome Diffuser durch den Reflektor in eine Richtung geworfen wird, verteilt der milchglasige Diffuser das Licht 180° in alle Richtungen.

Der Dome Diffuser ist im Lieferumfang enthalten.

Für das Canon Speedlite gibt es von Drittanbietern milchige Diffusor-Kappen, die vorne am Blitzkopf angebracht werden können. Ohne entsprechende Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Lichtformern.

Qualitativ sind diese milchigen Kunststoff-Kappen aber nicht mit dem Profoto Dome Diffuser vergleichbar. 

Der Dome Diffusor wird in der praktischen Tasche zusammen mit der Wide Lens in einem extra Fach verstaut.

Gel Kit/Farbfilter

Profoto bietet mit dem Gel Kit und Canon mit den Farbfiltern eine Möglichkeit an, das Blitzlicht an verschiedene Umgebungsbeleuchtungen anzupassen.

Bei Profoto muss das Gel Kit separat erworben werden. Dafür ist es deutlich hochwertiger als das von Canon.

Die Gels sind richtig dicke stabile Farbplatten aus Kunststoff. Es werden die vier Korrekturfolien Full CTO, Half CTO, Quarter CTO und Half Green mitgeliefert. Profoto verwendet hier die in der Branche üblichen Namen für Farbkorrekturfolien.

Dazu gibt es einen Halter und eine praktische Aufbewahrungsdose aus Metal. 

Der magnetische Profoto A1 Farbfilterhalter mit einen Gel und dem Haltering

Ein Gel wird in den Farbfolienhalter eingesetzt und mit einem Metalring magnetisch fixiert. Dieser wird wiederum wie jeder andere Lichtformer magnetisch auf den Profoto A1 gesetzt und ist deshalb mit jedem anderen Lichtformer kombinierbar.

Der Canon Speedlite Farbfilterhalter mit den zwei mitgelieferten Farbfolien und dem Etui
Der Profoto A1 mit aufgesetztem Farbfilterhalter, den anderen Gels und der Aufbewahrungsdose

Beim Canon Speedlite sind ein Farbfilterhalter und zwei orangene Farbfilter im Lieferumgang dabei. Die Farbfilter sind hauchdünne Folien und werden mit niedrigem und hohem Korrektureffekt bezeichnet, was leider nichts definiertes aussagt. Sie sind leider sehr diffizile und man muss im Umgang damit aufpassen, dass man sie nicht zerknittert. Ein Etui für Farbfolien und ein Beutel um alles zusammenzuhalten wird mitgeliefert.

Das Canon Speedlite mit aufgesetztem Farbfilterhalter

Leider ist bei aufgesetztem Farbfilterhalter die Catchlight-Scheibe nicht nutzbar.

Das Interessante bei Canons Lösung ist, dass der Blitz erkennt, welche Farbfolie eingelegt wurde und gibt diese Farbenformation an die Kamera weiter, die wiederum in den Weißabgleich entsprechend anpasst.

Soft Bounce

Hierbei handelt es sich um einen weißen Reflektor, der die Lichtquelle des Profoto A1 vergrößert und damit weicheres Licht beim direkten Blitzen erzeugt.

Er ist für Situationen wie Draußen gedacht, in denen keine Wand oder Decke zum Reflektieren des Blitzlichts vorhanden ist oder diese die falsche Farbe hat.

Es handelt sich dabei um den bisher größten Lichtformer für den Profoto A1 und zeigt, welche Belastungen die Magnetbefestigung aushält. Schließlich soll er auch bei Wind fest auf dem Blitz sitzen.

Der Soft Bounce ist natürlich auch wieder mit anderen Lichtformern wie dem Gel Kit kombinierbar.

Ich besitze den Profoto Soft Bounce aktuell nicht und kann daher leider nichts aus der Praxis sagen.

Quelle: Profoto Webseite

Von Canon selbst gibt es keinen derartigen Lichtformer.
Hier ist man auf Drittanbieterlösungen, wie die abgebildete Minisoftbox angewiesen, die meistens über Klettverschlüsse am Blitz befestigt werden und nur eingeschränkt die Kombination mit andern Lichtformern ermöglichen.

Grid Kit

Quelle: Profoto Webseite

Profoto bietet mit dem Grid Kit sogar Grids für den A1 an. Es ist weniger für den Einsatz als Aufsteckblitz gedacht, sondern vielmehr, wenn man ihn als Off-Camera-Blitz einsetzt.

Das Grid Kit besteht aus einem 10° und 20° Grid.

Es ist quasi das Gegenteil zur Wide Lens. Wenn der verstellbare Reflektor des A1 nicht mehr ausreicht um den Leuchtwinkel weiter zu reduzieren, kann man das über das Grid Kit erreichen.

Das Grid Kit kann auch wieder mit jedem anderen Profoto Lichtformer kombiniert werden.

Ich besitze das Grid Kit aktuell nicht, daher kann ich leider nichts aus der Praxis dazu sagen.

Von Canon gibt es keinen derartigen Lichtformer. Hier ist man auf eine sehr überschaubare Anzahl von Drittanbietern angewiesen, die Grids zum Aufstecken anbieten.
An eine Kombination mit anderen Lichtformern ist dabei nicht gedacht worden.

Wie konsistent ist das Licht über mehrere Bilder?

Lichtstabilität

Ausschlaggebend dafür, wie gut ein Blitz ist, ist auch die Lichtstabilität. Also wie stark schwankt das abgegebene Blitzlicht in der Farbtemperatur von Bild zu Bild.

Für diesen Test wurde die Kamera im Manuellmodus (1/200s, F4, ISO100, 70mm) auf einem Stativ befestigt und davor ein Motiv mit einer Graukarte aufgebaut. Die Szene wurde mit einem Sekonic Speedmaster L-858-D einmal für den jeweiligen Blitz vermessen und dieser manuell darauf eingestellt. Dann wurden kurz nacheinander 20 Bilder gemacht.

In Capture One wurde dann bei jedem einzelnen Bild der Weißabgleich auf die Graukarte festgelegt. Die daraus entstehenden Farbtemperaturwerte sollten nicht all zu stark voneinander abweichen.

Profoto A1

Canon Speedlite

Der Zoomreflektor, der sich automatische der aktuellen Brennweite anpassen soll, war bei beiden Blitzen aktiviert.

Interessant ist beim Canon Speedlite, dass es eine erkennbare Vignettierung aufgrund des zu klein eingestellten Zoomreflektors gab. Die Individualfunktion C.Fn-21 Lichtverteilung, die das beeinflussen kann, stand dabei auf 0:Standard und sollte eigentlich zu einem passenden Ergebnis führen.

Der Profoto A1 hat den Zoomreflektor korrekt eingestellt und es ist keinerlei Vignettierung zu erkennen.

Die Messwerte

Der Profoto A1 schneidet sensationell gut ab und unterbietet sogar die in den technischen Daten genannte Schwankung von ±150°K mit nur ±101°K.

Canon gibt selbst keine Schwankung in den Daten an. Hier ist die gemessene Schwankung bei ±235°K, was auch ein guter Wert ist. Im Schnitt lag die Farbtemperatur vom Profoto A1 bei 5860°K und vom Canon Speedlite ca. 1000°K höher bei 6800°K.

Welcher Blitz ist nun besser?

Welchen kaufen?

Natürlich kann man das, wie so oft, nicht pauschal beantworten.

Pauschal kann man sagen, dass der Profoto A1 mit seiner Bedienung, seiner Lichtleistung, seinem Lieferumfang und seinen reichlich von Profoto erhältlichen hochqualitativen Lichtformern der professionellere und vielseitigere Blitz ist. Profoto hat alles am Markt Befindliche hinterfragt und mit dem A1 einen einmaligen und außergewöhnlichen Blitz geschaffen.
Wenn man außerdem bereits andere Profoto-Blitzköpfe hat, die damit kombiniert werden sollen, steht außer Frage, das der Profoto A1 der richtige Blitz für einen ist.

Weiter muss man bei der Wahl auch voraus denken. In meinem Fall war es so, dass ich zuerst drei Canon Speedlites und einen Canon Speedlite Trans­mit­ter hatte. Irgendwann benötigte ich Studioblitze. Da Canon generell keine Studioblitze anbietet, musste ich zu einem anderen Hersteller greifen. In meinem Fall war das Profoto. Ich habe mir noch einmal Blitzköpfe und eine AirTTL Remote zugelegt. Irgendwann hätte ich aber gerne einen kompakten Canon-Aufsteckblitz mit meinen Profoto-Studioblitzen kombiniert, was natürlich nicht ging. Ausserdem fragte ich mich auch irgendwann, warum ich zwei Blitzsysteme nutzen soll?
Deshalb kann auch ein Entscheidungskriterium sein, was man in Zukunft vor hat. Und Profoto hat nach oben keine Grenzen in seinem Angebot.
Ich habe mittlerweile zwei Profoto A1, die ich perfekt in beide Richtungen mit allen meinen Profoto-Studioblitzen kombinieren kann.

Spartip

Als zusätzlicher Spartip sei erwähnt, dass Foto Wöhrstein aktuell eine Aktion aufgrund seines 70 jährigen Bestehens anbietet, bei der man auf deren regulären Preis noch einen 50€ Sofortrabatt erhält.

Für das Canon Speedlite spricht natürlich die perfekte und nahtlose Integration in die Canon-Welt. Wenn Canon eine neue Kamera auf den Markt bringt, kann man sich sicher sein, dass alles was von Canon kommt auch mit Canons Produkten perfekt zusammenarbeitet. Dies war zum Beispiel beim Erscheinen der Canon EOS R der Fall. Der Canon-Blitz funktionierte direkt damit, der Profoto A1 benötigte, damit TTL richtig funktionierte, erst ein Firmware Update. 

Profoto ist aber High End-Blitzhersteller sehr schnell und brachte bereits im nächsten Monat nach dem Erscheinen der Canon EOS R ein Update heraus.

Sucht man einen Blitz, der staub- und spritzwassergeschützt ist, bietet das derzeit nur das Canon Speedlite.

Weiter ist das Canon Speedlite in der Lage stroboskopartig zu blitzen, was kein Profoto-Blitz kann.
Da Profoto-Blitze mit bis zu 50 Blitze/s sehr schnell hintereinander blitzen können, favorisiert der Profoto-Support mit einer schnellen Kamera wie der Canon EOS 1Dx Mark II 14 Bilder/s aufzunehmen und diese in der Nachbearbeitung zusammenzuschneiden.

Ein für manche ausschlaggebendes Kriterium ist der Preis. Der Profoto A1 kostet im Handel ca. 450€ mehr als das Canon Speedlite.
Ein aus meiner Sicht ein absolut gerechtfertigter Preis für das gebotene Gesamtpaket.

Als Entscheidungshilfe gibt es aktuell bis zum 15.04.2019 von Profoto eine Kampagne für den A1. Beim Kauf eines A1 erhält man kostenlos einen weiteren Akku dazu. Beim A1 Duo Kit entsprechend zwei.
Der Preis eines Akkus liegt derzeit im Handel bei ca. 110€. Wenn man bedenkt, dass beim A1 bereits ein Akku dabei ist und Profoto gratis einen oben drauflegt, kostet der A1 nur noch 230€ mehr als ein Canon Speedlite.

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